Light and Love

26. Februar 2009

Art of Goa

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Der Indi­sche Bun­des­staat Goa
All­ge­mei­nes
Goa liegt an der mitt­le­ren West­küste und ist der kleinste Bun­des­staat Indi­ens. Er hat eine Flä­che von 3702 km2 und 1.419.523 Ein­woh­ner. Die Spra­che der Goa­ne­sen ist Kon­kani. Es war ursprüng­lich ein Dia­lekt des Mara­thi, ist heute aber als eigen­stän­dige Spra­che aner­kannt. Goa war rund 450 Jahre lang por­tu­gie­si­sche Kolo­nie und wurde kul­tu­rell nach­hal­tig von der Kolo­ni­al­macht geprägt, was auch durch den hohen katho­li­schen Bevöl­ke­rungs­an­teil zum Aus­druck kommt. Die Haupt­stadt Goas ist Panaji.

Geschichte
Nach­dem Vasco-da-Gama im Jahr 1498 den See­weg nach Indien ent­deckt hatte, unter­nah­men die Por­tu­gie­sen viele Expe­di­tio­nen dort­hin. 1510 griff Alfonso de Albu­quer­que mit Hilfe von Vija­ya­na­gar Goa an und nahm die Region ein. Mit der Ankunft des Jesui­ten Pries­ters Fran­cis Xaver 1542 begann die Mis­sio­nie­rung Goas. Die Por­tu­gie­sen behiel­ten die Herr­schaft über Goa mit Aus­nahme einer kur­zen Unter­bre­chung in der zwei­ten Hälfte des 17. Jh., in der Shi­vaji, der bedeu­tendste Anfüh­rer der Mara­then, einige Gebiete in und um Goa eroberte. Auch nach der Unab­hän­gig­keit Indi­ens blieb Goa in der Hand der Por­tu­gie­sen. Erst im Dezem­ber 1961 wurde Goa befreit und zu einem Bun­des­staat Indi­ens erklärt.

Klima & Geo­gra­phie
Goa liegt an der Kon­kan­küste, der mitt­le­ren West­küste Indi­ens. Die Küste hat eine Länge von 101 km und ist von zahl­rei­chen Fluss­mün­dun­gen durch­zo­gen. Die Mor­mu­gao Bucht gilt als einer der bes­ten Natur­hä­fen Indi­ens. An die schmale Küs­te­n­ebene schlie­ßen ter­as­sen­ar­tige Tafel­län­der mit einer Höhe von 30 m bis 100 m an, die im Osten in die Westghats über­ge­hen. Die Berge der Westh­ghats neh­men etwa 15% der Lan­des­flä­che ein und sind durch­schnitt­lich 800 m hoch. Der Son­so­gor ist mit 1.167 m Goas höchste Erhebung.

Das Klima ist tro­pisch und wird vom Som­mer­mon­sun bestimmt (Juni bis Sept.). Wäh­rend des Mon­suns lie­gen die Tem­pe­ra­tu­ren im Schnitt bei 26°C. In der hei­ßen Jah­res­zeit stei­gen die Tem­pe­ra­tu­ren auf bis zu 35°C. Auf­grund der Nähe zum Meer herrscht in Goa auch in der tro­cke­nen Jah­res­zeit eine Luft­feuch­tig­keit von etwa 60%.

Wirt­schaft
Nur 38% der Lan­des­flä­che Goas wird land­wirt­schaft­lich genutzt, da die Ver­sal­zung des Bodens ein Pro­blem dar­stellt. Es muss daher auf Lebens­mit­tel­ein­fuh­ren aus den Nach­bar­staa­ten zurück­ge­grif­fen wer­den. Die wich­tigs­ten Anbau­er­zeug­nisse sind Reis, Zucker­rohr, Kokos– und Cas­he­w­nüsse. In gerin­ge­rem Umfang wer­den auch Gemüse und Obst­sor­ten ange­baut. Anders als bei der Land­wirt­schaft über­steigt der Fisch­fang bei Wei­tem den Bedarf Goas, wovon die fisch­ver­ar­bei­tende Indus­trie pro­fi­tiert. Trotz der gerin­gen Größe ist Goa reich an Roh­stof­fen. 2001/2002 wur­den 11,4 Mio. Ton­nen Eisen­erz geför­dert, was etwa 14% der gesam­ten indi­schen För­der­menge ent­spricht. Auch der indus­tri­elle Sek­tor Goas ist gut aus­ge­baut und macht rund ein Vier­tel des BIP aus. Die wich­tigs­ten Indus­trie­zweige sind die Nahrungsmittel-, Genussmittel-, metall­ver­ar­bei­tende, Holz– und Papier-, Gummi-, Kunststoff-, chemische-, phar­ma­zeu­ti­sche, elek­tro­tech­ni­sche– und Tex­til­in­dus­trie. Die tra­gende Säule der Wirt­schaft Goas ist der Frem­den­ver­kehr. Als belieb­tes­tes indi­sches Rei­se­ziel trägt der Bun­des­staat etwa 12% zu den aus­län­di­schen Besu­cher­zah­len bei.

Tou­ris­mus
Der Bun­des­staat Goa ver­fügt über kilo­me­ter­lange weiße Sand­strände, die jähr­lich Tau­sende von Urlau­bern und Tou­ris­ten aus aller Welt anzie­hen. Der belieb­teste aller Strände ist Cal­an­gute, ein 7 km lan­ger land­ein­wärts gewölb­ter Strand, der ca. 15 km nörd­lich von Panaji liegt. Neben den wun­der­schö­nen Sand­strän­den hat Goa auch eine viel­fäl­tige Pflan­zen– und Tier­welt zu bie­ten. Auf der bewal­de­ten Flä­che Goas, die etwa ein Drit­tel der Gesamt­flä­che aus­macht, fin­det man exo­ti­sche Farne, Grä­ser, Pal­men, Früchte, Tex­til­fa­sern usw.. Im Bhag­wan Maha­vir Natio­nal­park haben Besu­cher die Mög­lich­keit Tiere in ihrer natür­li­chen Umge­bung zu beob­ach­ten. Auch sind Aus­flüge ins Lan­des­in­nere nach Velha Goa, dem alten Goa, emp­feh­lens­wert. Dort befin­den sich male­ri­sche Paläste und Kir­chen aus der Zeit der por­tu­gie­si­schen Kolo­ni­al­herr­schaft. Die sehens­wer­tes­ten Tem­pel Goas sind der Man­ge­shi Tem­pel, der 22 km östlich von Panaji liegt und ein bedeu­ten­des hin­du­is­ti­sche Pil­er­zen­trum ist, sowie der Sri-Brahma Tem­pel, der sich nahe der Grenze zu Kar­nat­aka befindet…

Wie und was hat das nun mit der Musik­rich­tung GOA zu tun?
Goa — eher ein wun­der­schö­nes Lebens­ge­fühl, ein Aus­druck purer Lebens­freude, eine Feier-Gemeinschaft, die noch an das Gute im Men­schen glaubt und gern aus­ge­las­sen zusam­men diese Lebens­freude zele­briert!
Unsere so bezeich­nete und geliebte elek­tro­ni­sche Tanz­Mu­sik setzt sich aus 4/4-Takten zwi­schen ursprüng­lich 130 und 160 bpm zusam­men, mitt­ler­weile wer­den auch schnel­lere Geschwin­dig­kei­ten erreicht.
Die Kicks und Drum­lines sind deut­lich ener­ge­ti­scher und kom­pak­ter als bei ande­ren Trance-Richtungen. Zudem ver­steht sich die Musik als recht expe­ri­men­tell.
Beliebt sind Acid­lines (ursprüng­lich durch den TB-303-Synthesizer) und andere orga­nisch klin­gende syn­the­ti­sche Geräu­sche. Vocals wie bei­spiels­weise beim House fin­den sel­ten
Ver­wen­dung, mit­un­ter wer­den jedoch Vocoder-Stimmen und Gesang ein­ge­baut. Ver­ein­zelt wer­den auch Sam­ples aus Spiel­fil­men oder Com­pu­ter­spie­len eingemischt.

Zu Beginn der 90er-Jahre war die Musik gekenn­zeich­net durch die Ein­bin­dung akus­ti­scher Ethno-Elemente mit psy­che­de­li­schem Cha­rak­ter. In einer linea­ren Ent­wick­lung war die Musik
gegen Mitte der 1990er-Jahre geprägt von “ori­en­ta­li­schen” Melo­dien auf Basis kräf­ti­ger Lead-Sounds der dama­li­gen Syn­the­si­zer – unter­malt von Acid-Sounds im Hin­ter­grund und der Bass­line.
Gegen Ende der 90er-Jahre wurde die Musik etwas lang­sa­mer, mini­ma­lis­ti­scher dis­har­mo­nisch und unme­lo­disch, wobei der mini­ma­lis­ti­sche Trance meis­tens mit atmo­sphä­ri­schen und
düs­te­ren Klän­gen mit hohem Hall­an­teil unter­malt wurde. Zur Jahr­tau­send­wende dann ent­wi­ckelte sich ein Stil, der Ele­mente aus dem Dub– und House-Bereich ein­be­zieht und sehr melo­disch erscheint.

Inter­pre­ten wie Raja Ram, Nee­lix und Domi­nic San­geet bedien­ten sich neben dem Techno-Instrumentarium auch bei Blas– und Streich­in­stru­men­ten, oder sie arbei­ten mit gen­re­frem­den
Musi­kern zusam­men, so dass auf Psytrance-Scheiben neben dem obli­ga­ten tech­no­iden Sound auch Ver­satz­stü­cke aus Ambi­ent, Trip Hop, World­mu­sic und vie­len ande­ren Berei­chen zu fin­den
sein kön­nen. Für sol­che freien Stil­mix­tu­ren wur­den zahl­rei­che neue Stil­be­zeich­nun­gen geschaf­fen: GoaTrance, Psy­Trance, Dark­Psy, For­rest­Trance, Suo­mi­soundi, Full On, Pro­gres­si­ve­Trance.
Als Psy­che­de­lic Chill Out wird eine ruhi­gere Vari­ante des Psy­trance bezeich­net. Diese ver­zich­tet meis­tens auf eine gerade 4/4-Bassdrum und legt ihren Fokus auf sphä­ri­sche Klänge.
Ent­ste­hung und Her­kunft 
Anfang der 1990er Jahre begann sich Psy­trance im indi­schen Bun­des­staat Goa, einem Ziel vie­ler Hip­pie trails aus den 1960ern, als Sub­genre der House– und Tech­no­szene abzu­gren­zen,
das maß­geb­lich von aus­län­di­schen, oft deut­schen und israe­li­schen Ruck­sack­tou­ris­ten initi­iert wurde.

Wäh­rend die Tech­no­szene zu Beginn der 1990er-Jahre bereits die Plat­ten­lä­den mit mas­sig Ver­öf­fent­li­chun­gen füllte, blieb der Goa-Bereich zunächst von den Plat­ten­la­bels fern.
Die Pro­du­zen­ten nah­men ihre Pro­duk­tio­nen anfangs meis­tens auf DAT-Bändern auf, die sie an die DJs über­spiel­ten. Ver­ein­zelt gab es Ver­öf­fent­li­chun­gen auf Plat­ten­la­bels aller
Rich­tun­gen, wobei es erst im Jahre 1993 zur Grün­dung des ers­ten Goa-Labels kam. Dazu gehör­ten Dra­gon­fly, Spi­rit­zone, TIP, XL Recor­dings, Blu­er­oom Released, Tran­si­ent und
Fly­ing Rhino.
Inter­pre­ten wie Mar­tin Glover (Kil­ling Joke), Mar­tin Free­land (Man With No Name), Simon Pos­ford, Shakta, Nick Bar­ber, Infec­ted Mushroom, GMS, Domi­nic San­geet und
Dj F.R.E.E. eta­blier­ten den “Psy­trance” auf Goa-Partys.

Der bekannte bri­ti­sche Pro­du­zent und Bas­sist Youth (Mar­tin Glover) war Geschäfts­füh­rer eines Plat­ten­la­bels mit dem Namen But­ter­fly Records, das expe­ri­men­telle Pro­duk­tio­nen aus
dem Postpunk-Bereich mit elek­tro­ni­schem Ein­fluss ver­öf­fent­lichte. Da er bis dato immer häu­fi­ger Demo-Tapes aus dem Goa-Bereich zuge­schickt bekam, ent­schloss er sich,
ein Sub­la­bel mit dem Namen Dra­gon­fly Records zu grün­den. Letzt­end­lich boomte die­ses Sub­la­bel, wäh­rend das Mut­ter­la­bel But­ter­fly kaum noch neue Ver­öf­fent­li­chun­gen brachte und ein paar Jahre spä­ter still­ge­legt wurde.
Nach der Grün­dung von Dra­gon­fly wur­den inner­halb sehr kur­zer Zeit wei­tere Goa-Labels gegrün­det, da es zu einer Flut an neuen Ver­öf­fent­li­chun­gen kam. Die Anzahl der Neu­ver­öf­fent­li­chun­gen nimmt seit Mitte der 2000er-Jahre stets zu.
 
Tref­fen der Goa-Szene auf der VooV-ExperienceDie von den Ruck­sack­tou­ris­ten und wäh­rend den 1960er Jah­ren aus­ge­wan­der­ten und noch heute in Indien ansäs­si­gen Hip­pies beein­flusste
Goa-Kultur, pro­pa­giert eine lebens­be­ja­hende Sicht­weise, und ist stark mit den Ideen und Sym­bo­len der 68er-Bewegung ver­bun­den. Neben der Musik gehö­ren Ele­mente aus dem Lebens­stil mit­tel– und fern­öst­li­cher Völ­ker, Natur­ver­bun­den­heit und eine Kunst, die bud­dhis­ti­sche Ein­flüsse mit der Flowerpower-Zeit und moder­nen Male­reien ver­bin­det, zu die­ser Philosophie.

Die ursprüng­lich in Goa ansäs­sige Szene ent­fernte sich, nach­dem die indi­sche Regie­rung einige Refor­men durch­führte, wel­che die Frei­hei­ten der dort leben­den Aus­stei­ger enorm ein­schränkte und sich in dem Gebiet zuneh­mend Pau­schal­tou­ris­mus eta­blierte. Die Sub­kul­tur in Indien wurde für tot erklärt und nach Europa und Israel ver­la­gert. Immer häu­fi­ger fan­den soge­nannte Goa-Partys in ganz Europa und dem Mit­tel­meer­raum statt, die nach der alt bekann­ten Men­ta­li­tät ablau­fen sollten.

Seit den 1990er-Jahren hat sich eine welt­weite Szene von Lieb­ha­bern die­ser Musik­rich­tung gebil­det. Neben Israel und Deutsch­land exis­tie­ren auch in Eng­land, Skan­di­na­vien, der Schweiz und ande­ren Tei­len Euro­pas viele Anhän­ger der Bewe­gung. In Süd­ame­rika, Süd­afrika, und Ost­eu­ropa ent­wi­ckelte sich eine in den fol­gen­den Jah­ren stark auf­stre­bende Szene, die unter ande­rem durch inter­es­sante Musik­pro­duk­tio­nen für viel Berei­che­rung sorgte.
Ledig­lich in den USA ist die Goa-Szene deut­lich unter­re­prä­sen­tiert; nur an der West­küste und im Raum New York fin­den ver­ein­zelte Ver­an­stal­tun­gen statt. In vie­len der hier nicht genann­ten euro­päi­schen Län­dern, etwa in Öster­reich, Frank­reich, Ita­lien oder auch Tsche­chien, nahm die Freetekno-Bewegung den Platz der musi­ka­lisch ver­wand­ten Goa-Szene ein.
Wesent­li­che Unter­schiede sind jedoch im ande­ren Selbst­ver­ständ­nis und Erschei­nungs­bild der Freetekno-Gemeinschaft zu fin­den. So agiert die Freetekno-Szene nach wie vor
mehr­heit­lich im Unter­grund und lässt per Selbst­de­fi­ni­tion auch keine Kom­mer­zia­li­sie­rung zu, wie sie bei Goa bereits begon­nen hat.

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